Namibia
Dr. Mekondjo Kaapanda-Girnus, Wirtschaftsrätin der namibischen Botschaft in Berlin, Foto: Businessfotografie Inga Haar

Investieren in Namibia lohnt

Von Rainer Schubert

Einziger unter­schied­licher Standpunkt zwischen Namibia und Deutschland ist gegenwärtig noch die Frage der Entschädigungs­zahlungen an Hereros und Namas wegen der Kolonialverbrechen Anfang des 20. Jahrhunderts. Das ließ Brigitte Zypries, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, nicht unerwähnt. Doch im Übrigen sind die gemein­samen Beziehungen exzellent, ja, Namibia ist sogar ein besonders guter Standort für deutsche Unternehmen, um in Afrika zu investieren. Das war einhellige Auffassung aller Redner während des gemeinsamen Business Breakfast des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller e.V. (VBKI) und dem Afrika Verein der Deutschen Wirtschaft e.V. am 18. Januar.

Vordere Plätze in Stabilitätsrankings

Besonders die politische und damit wirtschaftliche Stabilität des südwestafrikanischen Landes wurde allseits hervorgehoben, die seit der Unabhängigkeit Namibias 1990 zu verzeichnen ist. Dr. Mekondjo Kaapanda-Girnus, Wirtschaftsrätin der namibischen Botschaft in Deutschland, konnte dies mit eindrucksvollen Zahlen belegen. Das BIP-Wachstum, das stets weit oberhalb des Durchschnitts in Subsahara-Afrika liegt, betrug 2010 bis 2015 regelmäßig um fünf Prozent. Der Abschwung auf etwa zwei Prozent 2016 hatte keine hausgemachten Gründe, für die folgenden Jahre wird wieder das bisherige Niveau erwartet. Als wichtige Stabilitätsindikatoren präsentierte die Wirtschaftsrätin das Ranking verschiedener Indices:

Die Rahmenbedingungen für ausländische Investoren sind aufgrund des Foreign Investment Act von 1990 vorteilhaft: Gewinne können vollständig zurückgeführt werden, inländische Partner sind nicht vorgeschrieben, man wird mit inländischen Investoren gleichbehandelt und ist vor Verstaatlichung geschützt.

Beste Verkehrsinfrastruktur Afrikas

Namibia stellt eine sehr gut entwickelte Infrastruktur zur Verfügung. Lt. Global Competitiveness Report 2015/16 belegt das Land den ersten Platz in Afrika in der Qualität des Straßennetzes und der Hafen-Infrastruktur. Mit Walvis Bay wird ein exzellenter Zugang zur gesamten Region geboten. Mit Platz 3 beim Schienennetz und Platz 7 beim Luftverkehr ergibt sich der erste Platz im Infrastrukturranking Gesamtafrikas. Mit diesen guten Voraussetzungen lässt sich über das südwestafrikanische Land ein regionaler Markt von 300 Millionen Konsumenten auf dem Kontinent erschließen, erleichtert durch Handelsabkommen mit der EU, der EFTA, dem MERCOSUR und (hoffentlich weiterhin) mit den USA. Dr. Kaapanda-Girnus griff sogar noch weiter aus: bis 2050 bietet ganz Afrika ein Marktpotenzial von 2,1 Milliarden Menschen.
Zudem sind die natürlichen Gegebenheiten für Investitionen verlockend: Namibia hat Platz: auf einer Fläche, 2,5 Mal so groß ist wie Deutschland, leben 40 Mal weniger Menschen wie hierzulande. Boden und Küste sind reich gesegnet: mit Mineralien, darunter Gold, Silber und Edelsteine (z.B. Nr. 12 weltweit bei Diamanten), Uran (Platz 5 weltweit), Öl, Gas (Offshore mit 1,4 Billionen Kubikfuß) sowie mit einem großen Fischreichtum. Auch bei letzterem rangiert Namibia unter den Top Ten.

 

Bauarbeiter in Namibia
Bauarbeiter in Namibia

Was deutsche Unternehmer schätzen: Rechtssicherheit

Genau das, was deutsche Unternehmer am meisten schätzen, kann Namibia bieten: Rechtssicherheit. Die gut funktionierende Verwaltung lobte Dr. Fritz Sacher, Head of Africa Strategy Realization des Darmstädter Pharma-Unternehmens Merck KGaA, aus eigener Erfahrung. Für das Engagement vor Ort bedarf es zweifellos regionaler Kenntnisse. Dazu gehört, dass die Verwaltung zwar mitunter bedächtig, aber in jedem Fall zuverlässig arbeitet, so Dr. Sacher.
Flankiert wird das gute Investitionsklima Namibias von der deutschen und europäischen Politik. Besonders hob Staatssekretärin Zypries, die im Juli 2015 mit einer Wirtschaftsdelegation das Land bereiste, das Europäische Partnerschaftsabkommen mit dem südlichen Afrika hervor, das namibischen Waren freien Zugang in die EU gewährt, zum Schutz der lokalen Produktion jedoch den einheimischen Markt nur schrittweise öffnet. Sie ermunterte zu Investitionen deshalb, weil Namibias Wirtschaft weitere Diversifikation benötige.
Namhafte deutsche Unternehmen sind schon vor Ort, die Dr. Kaapanda-Girnus nicht unerwähnt ließ. Christoph Kannengießer, Geschäftsführer des Afrikavereins nannte sie Leuchtturmprojekte, so z. B. die mit 250 Millionen Euro größte deutsche Investition Ohrongo der Ulmer Schwenk Zement AG, die 300 direkte Arbeitsplätze und eine Jahresproduktion von 700.000 Tonnen generiert. Oder: Rheinland Air Service hat mit einem Maintenance-Betrieb regionalen Fluggesellschaft des südlichen Afrika die Möglichkeit geschaffen, ihre Flugzeuge vor Ort warten zu lassen.

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