EXPO 2017 Astana: Sphere White Object
EXPO 2017 Astana: Sphere White Object

Die dritte Modernisierungswelle in Kasachstan

„Energie der Zukunft“ und Neu-Industrialisierung

Von Svetlana Alexeeva

"Future Energy" als Leitthema der EXPO 2017 in Astana sollte ein Signal sein, Kasachstans Image als attraktiven Investitionsstandort und eines offenen, durchaus modern und nachhaltig ausgerichteteten Staates in der Welt prägen. Der Markteinstieg kann sich lohnen, vorausgesetzt, er ist gut vorbereitet, und die kasachische Führung hält den Kurs auf ein besseres Geschäftsklima und die Korruptionsbekämpfung bei. Zudem fördert die Bundesregierung deutsch-kasachische Energieprojekte im Rahmen der "Exportinitiative Energie".

Es war ein symbolträchtiges Votum, als die aufstrebende kasachische Hauptstadt Astana bei der EXPO-Vergabe Ende 2012 das belgische Lüttich mit 103 zu 44 Stimmen ausstach. Die Mitgliedsländer des BIE (Bureau International des Expositions, Internationales Büro für Ausstellungen) hielten das Thema und die Region für relevanter und gaben dem „Future Energy“-Bewerbungskonzept aus Kasachstan in Zentralasien den Vorzug. Erstmals sollte eine Ex-Sowjetrepublik Gastgeber der Weltausstellung werden. Für Kasachstan, das erst 1991 unabhängig wurde, war das eine Errungenschaft. Und eine Anerkennungsgeste seines Transformationsfortschritts – kürzlich durch den Platz 35 von 190 Ländern im „Doing Business 2017“ der Weltbank ebenso eindrucksvoll belegt. Kasachstan ist flächenmäßig der neuntgrößte Staat der Erde, hat aber nur knapp 18 Millionen Einwohner.

Kein einfacher Start für die EXPO Astana

Das EXPO-Projekt sollte jedoch einen schweren Start haben. 2014 begann für die heimische Wirtschaft eine Phase wirtschaftlicher Abschwächung, die durch externe Faktoren wie den Preisverfall bei Rohstoffen, die Rezession in Russland und eine schwächere Konjunktur in China sowie in der EU – jeweils wichtige Exportmärkte Kasachstans – ausgelöst wurde. Das Bruttoinlandsprodukt in Landeswährung fiel von 237 Milliarden Dollar im Jahr 2013 auf 134 Milliarden Dollar 2016. Die Nationalwährung Tenge wertete stark ab. Aktuell belebt sich jedoch die Lage. Laut Prognosen kann das Wirtschaftswachstum 2018 und 2019 auf 3 oder gar 4 Prozent zulegen.

Trotz Schwierigkeiten konnte das 113 Hektar große Gelände pünktlich zum 9. Juni eröffnet werden. Kostenpunkt (offiziell): 1,3 Milliarden Dollar. Wenngleich die wahre Zahl höher gelegen haben mag, allein die Architektur ist ein Statement: Futuristische Bauten wie der Kasachische Pavillon – eine kugelförmige, verglaste Stahlkonstruktion von Adrian Smith + Gordon Gill aus Chicago – zum „futuristischen“ EXPO-Leitthema „Future Energy

Strategisch kluge Positionierung

Die Schlussbilanz der kasachischen EXPO fällt durchaus beeindruckend aus: 115 Länder, 22 internationale Organisationen, darunter UNESCO, UNIDO, Weltbank, UNICEF, IAEA, fünf Millionen Besucher, zahlreiche Konferenzen und Meetings. Hier setzte die kasachische Führung geschickt Themen von nationalem Interesse auf die Agenda und lenkte die Aufmerksamkeit auf die Belange der Region. Strategisch gesehen war es ein kluger Zug, die EXPO dafür zu nutzen, sich international in Szene zu setzen und Renommee zu verschaffen. Der nicht zufällig kommt, verfolgt doch Kasachstan im Verhältnis zu Nachbarländern bereits lange einen „multivektorellen“ Kurs, der auf Stabilität mittels ausgewogener Partnerschaften setzt.

Günstige Ausgangslage für einen Markteintritt

Deutschlands Auftritt auf der EXPO Astana bekam durchweg gute Resonanz. Der Deutsche Pavillon war der größte und meist besuchte. Bis zu acht Tausend Menschen täglich sollen die Exposition „Energy on Track“ über die deutsche Energiewende und die spektakuläre „Energy-Lasershow“ besucht haben, so Bettina Bochynek, Pavillon-Direktorin von der Hamburg Messe und Congress, die den Pavillon umgesetzt hat. Am „EXPO-Tag Deutschland“ (12. Juli) empfing man zwei besondere Ehrengäste: Deutschlands Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Kasachstans Präsident Nursultan Nasarbajew. Dies war für die Delegation der Deutschen Wirtschaft für Zentralasien, den Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft und die Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena), das Think-Tank für Energiefragen, wiederum ein Anlass, zum „German Energy Dialogue“ und ähnlichen Kontaktformaten einzuladen.

„Deutschland hat in Kasachstan einen sehr guten Ruf“, bestätigt Jonatan Weinberg, Wirtschaftsattaché an der Deutschen Botschaft in Astana. Deutsche Investitionen sind „long-term investments“, das schätze man. Die Ausgangslage für einen Markteintritt sei derzeit ausgesprochen günstig. Seit 2012 gibt es eine Regierungsvereinbarung über die Partnerschaft im Rohstoff-, Industrie- und Technologiebereich. Die Strategie „Kasachstan 2050“, der nationale Plan „100 Schritte“ und andere Initiativen der kasachischen Regierung lassen einen ernsthaften politischen Willen zur Modernisierung erkennen. Das „Green Economy-Konzept“, das Programm „Energieeinsparung 2020“ und eine Gesetzesnovelle zur Förderung Erneuerbarer Energien deuten Bewegung in Richtung Nachhaltigkeit an. Das Ministerium für Investitionen und Entwicklung, das Investors Service Center und die Nationalgesellschaft “KAZAKH INVEST” kümmern sich um Belange ausländischer Investoren. Das Messegelände soll nach Ende der Weltausstellung dem „Astana International Finance Centre“, einem „Green Technology“- und einem „Green Finance“-Zentrums zur Verfügung stehen.

Expertise für Energieeffizienz und Erneuerbare Energien gefragt

Hans-Josef Fell, Präsident der Energy Watch Group, hält viel von der Idee, die kasachische Wirtschaft umweltgerecht zu modernisieren: „Erneuerbare Energien wie Wind- und Solarenergie sind inzwischen eine kostengünstige Art der Stromerzeugung – und für Kasachstan auch machbar: Das Potenzial ist durch viel Sonne und Wind vorhanden“. Der Autor des Entwurfs zum EEG (Erneuerbare Energien Gesetz) von 2000 gibt ebenso die ökologische Situation im Land zu bedenken: „Das Hauptproblem Kasachstans ist Wassermangel. Die Wüsten breiten sich aus. Dabei ist der (in Kasachstan intensiv betriebene) Kohle- und Uranbergbau hoch wasserintensiv“. Durch Erneuerbare Energien könnte man Wasser sparen, zudem würden sich Synergien mit anderen Wirtschaftsbereichen, zum Beispiel der Landwirtschaft, ergeben.

Deutsche Firmen mit Expertise in Energieeffizienz und Erneuerbaren Energien sowie Projektentwickler sind in Kasachstan sehr willkommen. Die Deutsche Energie-Agentur (dena) ist hier bereits seit 2011 mit konkreten Projekten aktiv. „Wir beraten die kasachische Regierung und setzen Lösungsansätze mit unseren Partnern als Demonstrationsprojekte um“, heißt es auf Nachfrage von der Geschäftsleitung. Zudem beteiligt sich dena an der Weiterbildung kasachischer Manager mit dem Schwerpunkt „Energieeffizienz in Industrie“ und führt Energie-Audits durch. 2015 hat die Agentur ein Deutsch-Kasachisches Energieforum organisiert.

Die EXPO 2017 war für Kasachstan eine wirklich große Leistung. Dennoch bleibt die entscheidende Frage, ob das Land den EXPO-Impuls nutzen und den Reformdruck aufrechterhalten kann, nachdem die Weltausstellung ihre Pforten am 10. September geschlossen hat.

Denn die Agenda ist lang – von der Modernisierung der Infrastruktur über die Korruptionsbekämpfung und das Geschäftsklima bis hin zur Fachkräfteausbildung. Schafft es die kasachische Regierung, die Reformen und „die neue Industrialisierung“ beherzt fortzuführen, so bleibt die Nachfrage nach Produkten und dem tiefen, vielschichtigen Technologie-Know-how der deutschen Unternehmen hoch. Zudem unterstützt die Bundesregierung derartige Außenwirtschaftsaktivitäten des Mittelstands durch die „Exportinitiative Energie“ im Rahmen der deutsch-kasachischen Energiepartnerschaft.

 

Svetlana Alexeeva, Dipl.-Phil., Dipl.-Kffr., ist Expertin/Autorin für digitale Transformation, Internetpolitik, E-Government und Business Advisor Russland/GUS

Svetlana.Alexeeva@digital-insight.de


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