
Wir erleben vielleicht das Ende der Zwischenkriegszeit, vermutete Prof. Eberhard Sandschneider am 17. März im Internationalen Club im Auswärtigen Amt, mit Blick auf den von Russland gegen die Ukraine vom Zaun gebrochenen Krieg. Die gegenwärtige Situation gab dem Vortrag des China- und Ostasien-Experten, der eigentlich über „Chinas Aufstieg und die Zukunft der globalen Ordnung – Geopolitik im 21. Jahrhundert“ sprechen wollte, eine neue und aktuelle Wendung. In der zukünftigen geopolitischen Architektur spielt China ungeachtet des Krieges in Osteuropa eine wesentliche Rolle, möglicherweise mehr denn je. Denn, so der frühere FU-Professor, das 21. Jahrhundert, werde von der Rivalität China ./. USA geprägt sein. Das Herzland Eurasiens sei China, nicht Russland.
Im gegenwärtigen Konflikt schwanke China zwischen sich widersprechenden Interessen: die Ukraine liefert ca. 30 Prozent der chinesischen Weizenimporte und China ist Erbauer der größten Windkraftanlage Europas im Gebiet Donezk. Andererseits müsse die chinesische Führung ihr Wohlstandsversprechen gegenüber der Bevölkerung garantieren, was auf den Handelsbeziehungen mit Europa und den USA fuße. Außerdem werde Chinas Hauptinteresse vom US-Vorgehen im Pazifik bestimmt.
Fazit des nunmehrigen Partners des Beratungsunternehmens Berlin Global Advisors: „Wir sind zurück in einem machtpolitischen Zeitalter“. Und der optimistische Aspekt: man dürfe an der Demokratie nicht verzweifeln. Bei Kriegen gegen die Demokratie habe die Demokratie immer gewonnen.
2022-03-24


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