Oliver Hermes, Ostausschuss
Oliver Hermes, neuer Vorsitzender des Ost-Ausschusses – Osteuropaverein der Deutschen Wirtschaft

Generationswechsel im OAOEV

"Im Ruhrpott", antwortet der neue Vorsitzende selbstbewusst und mit jungenhaftem Charme auf die Frage, wo er aufgewachsen sei. Zwischen zwei eng getakteten Terminen treffen wir Oliver Hermes beim Ost-Ausschuss in der Gertraudenstr aße in Berlin-Mitte nahe dem Haus der Deutschen Wirtschaft. Mitten im Ruhrpott, in Essen, wurde er 1970 geboren. Im gleichen Jahr, am 1. Februar, unterschrieben im Essener Hotel Kaiserhof westdeutsche Firmen und Banken den historischen Erdgas-Röhren-Vertrag mit den Sowjets. Die Deutschen verpflichteten sich, Röhren für den Erdgastransport zu bauen, Moskau sagte zu, jährlich drei Milliarden Kubikmeter Gas zu liefern.

Der Deal legte - mitten im Kalten Krieg - den Grundstein für die langjährige Energiepartnerschaft zwischen West und Ost. Als Verband sei man "ein wenig stolz" auf dieses Datum, sagt der Vorsitzende. "Denn an den Vorbereitungen war auch der Ost-Ausschuss beteiligt.“ Schon damals hätten amerikanische Wirtschaftssanktionen im Raum standen, weiß Hermes. Beim aktuellen Pipeline-Projekt Nord Stream 2 fordert er die EU auf, sich gegen Sanktionen für europäische Unternehmen zu wehren. "Sonst wird die europäische Wirtschaft zum Spielball von Amerikanern und Chinesen.“

Oliver Hermes ist Vorstandsvorsitzender und CEO der Dortmunder Wilo Gruppe, einem Global Player im Geschäft mit Pumpen für Gebäudetechnik und Wasserwirtschaft. Studiert hat er Volkswirtschaft mit Schwerpunkt Ostasien/China in Duisburg und an der Université d’Angers in Frankreich. Und damals sogar Mandarin gelernt. Danach war er Partner bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG. 2006 stieg er zum Finanzvorstand des Pumpenherstellers auf, der sich unter seiner Regie binnen weniger Jahre zum global agierenden Milliardenkonzern entwickelte. Wilo, das aktuell mit rund 8.000 Mitarbeitern mehr als 1,46 Milliarden Euro umsetzt, baut in Dortmund für 300 Millionen Euro gerade seine neue Firmenzentrale, das größte industrielle Bauprojekt Nordrhein-Westfalens. Auch in Polen und Kasachstan haben die Dortmunder stark investiert, in Russland wurde 2016 eine moderne Produktionsstätte in Noginsk bei Moskau eröffnet.

Im September 2019 wurde Hermes in Stuttgart von den Mitgliedern der größten Regionalinitiative der deutschen Wirtschaft einstimmig in den Vorstand gewählt und vom Präsidium zum Nachfolger von Wolfgang Büchele bestimmt. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit sei der Wirtschaftsdialog mit Russland, das "wieder Teil Europas" werden müsse, sagt Hermes. Sonst verliere der Kontinent international an Bedeutung. Aber auch die Ukraine, Polen und die anderen Visegrad-Länder, das Baltikum, alle hätten noch sehr großes Potenzial, so der Diplom-Ökonom.

Die Osteuropäer, hat Hermes beobachtet, stünden der digitalen Transformation viel positiver gegenüber als viele Leute im Westen. Deshalb könne in diesen Ländern künftig "das digitale Herz der EU" schlagen, deren Schwerpunkt sich durch den Brexit nach Osten verschieben werde. Um noch besser mit den Partner im Osten kommunizieren zu können, lernt Hermes gerade Russisch. Wenn es seine Zeit erlaubt, treibt er Sport. Sein besonderes Interesse gilt der israelischen Kampfsportart Krav-Maga.

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